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Nachtwächter leiten durch Aichach

Unsere fünf Nachtwächter weisen nicht nur den Weg zur Bayerischen Landesausstellung, sondern informieren auch über die Aufgaben, die Ausrüstung und die Geschichte der Nachtwächter in Aichach.

Ausgestattet mit Hellebarde, Signalhorn, einem langen Mantel als Wetterschutz und natürlich einer Laterne waren sie über 600 Jahre in Aichach tätig. Die Rede ist von den Nachtwächtern. Ihre Funktion als Feuerwache und Zeitansager haben sie längt verloren, doch in anderer Rolle sind sie inzwischen wieder aktiv: als Stadtführer und als Führer durch die Stadt.

Wussten Sie schon, dass der Nachtwächter zu jeder Stunde sang?

Hört, ihr Leut lasst euch sagen, unsre Glock hat 8 geschlagen……..

…achtet auf Feuer und Licht,
dass der Stadt kein Schaden g´schicht.
Menschwachen kann nichts nützen,
Gott muss wachen, Gott muss schützen.
Herr durch deine Güt und Macht
gib uns eine gute Nacht.
Hört ihr Leute lasst euch sagen,
unsre Glock hat 8 geschlagen.

Der charakteristische Stundenruf des Nachtwächters, der zu jeder Stunde an verschiedenen festgelegten Orten in der Stadt erschallte, enthielt auch immer einen göttlichen Segensspruch zum Schutz von Mensch, Haus und Hof. Man hörte diesen von den Abendstunden bis zum Morgengrauen. Die Stunden waren dabei Nebensache, der Ruf war für die schlafenden Stadtbewohner Gewissheit, dass einer Wache hielt, keine Gefahr drohte und alles in Ordnung war. Beruhigt konnten sich die Stadtbewohner in ihren Betten umdrehen und weiterschlafen.

Der Stundenruf ward anscheinend nicht immer mit Inbrunst gesungen. 1865 beschwerte sich ein Gast beim Magistrat, dass aus dem Ruf des Nachtwächters weder Stunde noch irgendetwas anderes zu entnehmen sei. Der Ruf habe mehr einem wilden Geheule geähnelt.

Wussten Sie schon, welche Aufgaben der Nachtwächter hatte?

Bei Bränden alarmieren, Spitzbuben fangen, für Nachtruhe sorgen und die Sperrstunde überwachen. Das waren die wichtigsten Aufgaben des Nachtwächters. Er übernahm damit polizeiliche Aufgaben.

Der Nachtwächter wurde jährlich vom städtischen Ratskollegium neu in den Dienst genommen. Die Dienst-Instruktion regelte Aufgaben, Stundenrufe, Orte und vieles mehr. So wurde zum Beispiel festgelegt, dass Nachtruhestörer, Veranstalter von Nachtmusik, Gesängen und sonstigen geräuschvollen Unterhaltungen vom Nachtwächter nach Hause zu schicken sind. Die Befugnisse gingen bis zur Festnahme von Personen.

In Aichach hatte der Nachtwächter an sechs festgelegten Standorten die Stunden abzurufen. Die Tätigkeit war immer im Nebenerwerb, oft waren es die städtischen Sackträger, die als Nachtwächter ihr schmales Gehalt aufbesserten. Die Sackträger waren für die Lagerung im städtischen Lagerhaus und der Stadtwaage zuständige und unterstanden dem Wiegemeister. Der Lohn der Mühen war mit einem Grundfixum von ½ Gulden (30 Kreuzer) pro Woche schon karg. Zum Vergleich: eine Maß Bier kostete 5 Kreuzer.

Wussten Sie schon, welche Ausrüstung der Nachtwächter mit sich führte?

Hellebarde, Laterne und Horn gehören neben dem langen Mantel und dem Hut zu den typischen Ausrüstungsgegenständen des Nachtwächters.  

Besonders markant ist natürlich die Hellebard oder auch Helmbarte genannt, der eigentümliche Spieß des Nachtwächters. Der Begriff kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet Axt (Barte) mit langem Stiel (Helm). Gebräuchlich war die Helmbarte als Kriegswaffe vom 14. bis ins 17. Jahrhundert und hat auch Rittern gehörigen Respekt eingeflößt. Sie wurde noch im 30-jährigen Krieg verwendet und diente später als Repräsentationswaffe. Die Schweizer Garde des Vatikans verwendet die Hellebarde bis heute.

Die Laterne war zum Ausleuchten der Straßen, Ecken und Winkel wichtig. In der Stadt war es nachts wirklich dunkel, nur der Mond und die Sterne erhellten die Wege, Plätze und Gassen. Es gab keine Straßenlaternen in Aichach. Die einzigen Lichtquellen in der dunklen Stadt waren die Laternen vor den Gasthäusern, solange diese geöffnet hatten.

Das Horn war bei Gefahr wichtig. Die größte Gefahr mittelalterlicher Städte war das Feuer, noch vor kriegerischen Übergriffen. Stroh- und schindelgedeckte Dächer brannten wie Zunder, wenn nicht schnell eingegriffen wurde. Bei Feueralarm mussten alle Bürger so schnell wie möglich zum Löschen kommen, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Jeder Bürger hatte einen ledernen Löscheimer vorzuhalten. Das Wasser spendeten die städtischen Brunnen. Mit einer Menschenkette transportiere man das Wasser zur Brandstelle.

Mantel und Hut waren unverzichtbarer Wetterschutz. In einigen Städten gab es auch Wetternischen zum Unterstellen für die Nachtwächter bei besonders schlechtem Wetter.  

Wussten Sie schon, seit wann es in Aichach Nachtwächter gab?

Seit dem Bau der Stadtmauer gab es in Aichach Nachtwächter, die von den Abendstunden bis zum Morgengrauen auf Brandgeruch, Spitzbuben und Ruhestörer achteten. 

Zum Schutz der Bewohner einer Ansiedlung begann man früh mit dem Bau von Zäunen, Palisaden oder Mauern. Tagsüber waren die Bewohner für die Sicherheit zuständig – aber nachts? So ist der Beruf des Nachtwächters entstanden, um des Nächtens für Sicherheit und Ordnung sorgen.

Die ersten Nachtwächter dürften im Aichach des 12./13. Jahrhunderts ihre Runden gedreht haben. Viele Jahrhunderte, bis Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts war er ein vertrauter Anblick und sorgte für einen ruhigen Schaf der Bewohner Aichachs.  Die Aufgabe teilten sich meist zwei bis drei Personen. Wenn die Nachtwächter ihren Dienst nicht verrichten konnten, war es üblich, dass die Frauen einsprangen.

In den Protokollen des Aichacher Magistrats liest man immer wieder von kleinen Verfehlungen der Nachtwächter. So sollten diese nicht „vollgesoffen“ ihren Dienst antreten und sich mit dem jungen Gesindel abgeben, statt den Dienst gewissenhaft zu machen. Wegen dieser und anderer „Vergehen“ wurden die Nachtwächter über die Jahrhunderte immer wieder ermahnt. Nächtliche Dienste bei Wind und Wetter sind fordernd und so ist man über jede Abwechslung dankbar.

Wussten Sie schon, war hier im Turm gemeinsam mit dem Nachtwächter für Sicherheit sorgte?

Der Nachtwächter sorgte auf den Gassen und Plätzen für Sicherheit, schaute in alle dunklen Ecken der Stadt nach Spitzbuben. Er war der Mann vor Ort. Der Türmer unterstützte hier die Feuerwacht von einem Turm aus, der bot die beste Übersicht.

In Aichach waren die Türmer seit dem 17. Jahrhundert im Oberen Tor untergebracht, das Arbeits- und Wohnort zugleich war. Der Türmer, ähnlich dem Nachtwächter, musste die Stunden anschlagen. Damit wussten die Bewohner, dass der Posten besetzt war. Türmer finden sich in den Aufzeichnungen für Aichach bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Neben der Feuerwache hatte der Türmer auch musikalische Dienste bei Gottesdiensten, privaten und städtischen Veranstaltungen zu leisten und bezog daraus ein Zusatzeinkommen. Türmer waren gut ausgebildete Musikanten, die mehrere Instrumente spielten.

Mit einer städtischen Uniform versehen, sind sie ein Aushängeschild der Stadt gewesen. Der Magistrat achtete besonders darauf, dass dieses Amt gewissenhaft ausgeführt wurde. Meist hatten die Türmer auch Unterstützung durch einen Gesellen bzw. Lehrling. Auch die Türmer wurden immer wieder vom Magistrat ermahnt, ihren Dienst ordentlich zu machen. So hat man 1703 einen Türmer gerügt, „jedermäniglichen Anblosens“ zu unterlassen, da die „Statt (Stadt) zu sonderbarem Schimpf vnd Gelachter vfgenommen würdtet“. Das Anblasen (Empfangen/Ankündigen) war besonderen Persönlichkeiten vorbehalten und nicht für jedermann bestimmt. Der Türmer hatte sich den Spaß gemacht, alle Besucher mit der Fanfare willkommen zu heißen.