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Steubhaus

Das Steubhaus steht in der Steubstraße, die am ehemaligen Krautmarkt zwischen Schlossplatz und Bauerntanzgasse verläuft und ebenso wie das Haus nach dem Schriftsteller und Juristen Ludwig Steub benannt wurde. Der Schriftsteller wurde im damaligen Stadtschreiberhaus geboren, das 1908 mitsamt dem Nachbarhaus abgerissen wurde, um ein neues größeres Haus zu bauen. Diese wurde bis zum Jahre 1967 mehrmals umgebaut und renoviert. Um an den ehemaligen Geburtsort des Schriftstellers zu erinnern, wurde an der Fassade eine Büste und eine Inschrifttafel zu Ehren von Ludwig Steub angebracht.

Zum Leben Steubs
Ludwig Steub entstammte bürgerlichen Verhältnissen und wurde als Kind des Andreas Steub und der Josephine Steub am 20.02.1812 in Aichach geboren. Steub besuchte das (heutige) Wilhelmsgymnasium München und schloss es 1829 ab. Im Selbststudium lernte er mehrere Sprachen und studierte Philosophie und Philologie, bevor er zur Rechtswissenschaft wechselte. Er wollte nach Griechenland gehen, wo der Wittelsbacher Prinz Otto König geworden war, und bewarb sich erfolgreich bei der dortigen Regierung. Allerdings wurde er nicht wie von ihm gewünscht Hochschullehrer oder Gouverneur, sondern Regentschaftssekretär. Im Februar 1834 zog er nach Griechenland, um die Regierung von König Otto in Nauplia zu unterstützen. Obwohl man ihm zum Bezirksrichter von Chalkis befördern wollte, kehrte er bereits 1836 nach München zurück. Seine Erlebnisse und Erfahrungen in Griechenland publizierte er in seinem Buch „Bilder aus Griechenland", das 1851 erschien.

Nach jahrelanger Tätigkeit am Praktikant beim Stadtgericht München, beim Appellationsgericht in Neuburg an der Donau und erneut in München promovierte er 1843 zum Dr. phil. über die Urbevölkerung Rätiens aus namenkundlicher Sicht („Über die Urbewohner Rhätiens und ihren Zusammenhand mit den Etruskern") und ließ sich wenige Jahre später als Rechtsanwalt nieder. 1863 wechselte er schließlich ins Notariat.

Inzwischen wurde Steub zum Münchener Korrespondenten des Stuttgarter Morgenblatts und knüpfte enge Kontakte zur Augsburger Allgemeinen Zeitung, worin viele seiner Reise- und Wanderberichte fortan erschienen. Als Schriftsteller widmete er sich der kulturgeschichtlichen Erschließung Altbayerns, Tirols sowie Südtirols, wobei Steub wandernd und forschend seine Ergebnisse zusammentrug, wodurch eine lebendige Mischung aus seinen eigener Erlebnissen, Landschaftsschilderungen, historischen Reminiszenzen und volkskundlichen Beobachtungen entstand. Nach dem Vorbild der Erlebnisberichte Wilhelm Heinrich Riehls entstanden so zahlreiche Wandereindrücke, darunter „Drei Sommer in Tiro" (1846), „Wanderungen im bayerischen Gebirge" (1862), „Herbsttage in Tirol" (1867) und „Altbayerischen Culturbilder" (1869).

Doch nicht nur als Reiseschriftsteller machte sich Ludwig Steub einen Namen. Anerkennung fanden auch seine Erzählungen und Novellen, die 1853 in dem Buch „Novellen und Schilderungen" bzw. 1881 in dem Band „Gesammelte Novellen" zusammengefasst wurden. Seine Novelle „Das Seefräulein" (1849) erzielte ab 1873 als Lustspiel zudem einen solchen Erfolg, dass es am Münchener Hoftheater und an österreichischen Bühnen wiederholt aufgeführt wurde. Im Gegensatz dazu steht sein in Geist und Stil der Jungdeutschen verfasster Roman „Deutsche Träume", dessen geschildeter Verhältnisse der Zeit vor 1848 nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprachen. Nachdem er sein Notariat 1880 niederlegte, wendete sich Steub wieder landeskundlichen Themen zu („Zur Namens- und Landeskunde der deutschen Alpen", 1885; „Zur Ethnologie der deutschen Alpen", 1887). Im Jahre 1883 erschien in Breslau seine Autobiografie  „Mein Leben". Am 16. Märtz 1888 starb Ludwig Steub und wurde auf dem Alten Nordfriedhof in München beerdigt.

Würdigung
Steub war ein Schriftsteller, der vor allem durch seine Schilderungen über das Land und die Sitten von Tirol als dessen literarischer „Entdecker" gilt. Seine Reiseschilderungen und Erzählungen, die meist vom Alpenraum handelten, wurden auch später noch gelegentlich aufgelegt, wenngleich er schon lange zu den „vergessenen Schriftstellern" zählt. In seinen Werken ist ein antiklerikaler Ton bemerkbar, der sich gegen einen allzu selbstgefälligen Katholizismus, wie er ihn in Bayern erlebte, richtete. Nur mit seiner Hilfe gelang er der Spielgemeinschaft Ritterschauspiele Kiefersfelden in den Jahren 1860 bis 1868, den Fortbestand ihres Dorftheaters zu erhalten und zu sichern. Durch Steubs Bücher wurden in Deutschland das Wort „Sommerfrische" zu einem bekannten Begriff.

Zudem bezog Steub im Januar 1866 deutlich Stellung gegen Antisemitismus, indem er die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machte, dass die eucharistische Wallfahrt zur Grabkirche in Deggendorf auf einer Vertuschung der Judenpogrome von 1337 bis 1338 basierte. Steubs Ansichten wurden letztendlich auch kirchlicherseits anerkannt, sodass 1992 die Wallfahrt offiziell eingestellt wurde.